Pfarrkirche

 

 

 

Kirche, gesehen vom Bürgerpark, mit Pfarrbüro im Vordergrund

 

Maximilian- Kolbe- Kapelle

Maria-Hilf-Kapelle

Bildstock an der Sparkasse

Madonna aus der Maria-Hilf-Kapelle

Pieta in Andachtskapelle

Kirche aus Sicht der Hauptstraße / des Pfarrheims

Fotos: Edith Roggendorf 2000 / 2001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                         

 

Der Bau der Pfarrkirche 1856/57

Die Finanzierung des Baus der neuen Pfarrkirche

 

Januar 1845: Unter Leitung seines Präsidenten Heinrich Broicher hat sich der Kirchenvorstand der Pfarre Berzdorf im Pastorat eingefunden. Als echter Seelsorger hat Pfarrer Sieger schon nach kurzer Zeit gesehen, daß die alte Kirche für seine Gemeinde viel zu klein geworden ist: Nur für 160 der ca. 700 Kirchgänger bietet sie Platz, so daß die Mehrheit der Gläubigen beim Gottesdienst auf dem Friedhof stehen muß, vor allem im Winter wahrlich unangenehm. Einen Erweiterungsbau hält der Pfarrer wegen der Baufälligkeit der alten Kirche nicht für angebracht - später wird das durch das Gutachten des Baumeisters Schopen bestätigt. So schlägt er an diesem 1.1. 1845 vor, eine neue Kirche zu bauen, " zur Ehre und Verherrlichung des Namens Gottes",  wie es später bei der Grundsteinlegung heißen wird. Doch woher das nötige Geld, ca. 10000 Taler, nehmen? Noch gibt es keine kirchliche Behörde, die den Rohbau bei Kirchenneubauten aus Kirchensteuermitteln finanziert: Die "Kirchenfabrik", d. h. der Kirchenvorstand, muß die Unkosten selbst, unterstützt von der Gemeinde, aufbringen. Berzdorfs Bevölkerung besteht vor allem aus Tagelöhnern und armen Handwerkern. Von den 1400 Morgen des Dorfes gehören 1100 Morgen zu Höfen, deren Herren in Köln wohnen. So beschließt der Kirchenvorstand, eine Abordnung, bestehend aus dem Pfarrer und dem Kirchenratspräsidenten, zu den "Herrschaften" der Berzdorfer Höfe zu schicken, um eine "ansehnliche Summe zu erwerben". Doch das Ergebnis ist nicht besonders ermutigend. Insgesamt erbringt die Mission bei den "Herrschaften" in Köln die Aussicht auf maximal 1320 Taler: eine schöne Summe, für die Verwirklichung des Kirchbaus jedoch nur ein bescheidener Anfang.

So beschließt der Kirchenvorstand auf seiner Sitzung am 13.6.1845, den Oberpräsidenten der Rheinprovinz zu bitten, eine Hauskollekte im Regierungsbezirk Köln durchführen zu dürfen. Das Ergebnis der im Oktober 1846 beendeten Hauskollekte beläuft sich, gemeinsam mit dem Betrag aus dem für den Kirchbau aufgestellten Opferstock, auf 1365 Taler, von denen allerdings noch 202 Taler als Unkosten abgezogen werden müssen. Am 1. 1. 1847 beschließt der Kirchenrat, den Oberpräsidenten zu bitten, eine weitere Kollekte, diesmal im Regierungsbezirk Düsseldorf, durchführen zu dürfen; Pfarrer Sieger war dort mehrere Jahre tätig, ganze 292 Taler kommen zusammen. Die vorhandenen Gelder werden rentbar teils an Private vergeben, teils auf der Königlichen Bank angelegt. Doch wann wird man so die erforderlichen 10000 Taler zusammenhaben?

Da kommt der Präsident des Kirchenvorstandes, Heinrich Broicher, auf eine neue Idee: Er schlägt vor, den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. bei seinem Besuch im Brühler Schloß im September 1847 um ein "Gnadengeschenk" zu bitten. So richtet der Kirchenrat ein auf den 21. 9.1847 datiertes Schreiben an den preußischen Herrscher. Eindringlich weist man auf die Notlage der Gemeinde hin. Doch - vor einer Gewährung eines Gnadengeschenks – verlangt die Königliche Regierung eine Bestandsaufnahme der alten Kirche sowie eine Skizze der neuen Kirche mit einem Kostenvoranschlag. Dies geschieht durch den Baumeister Schopen. Dann erscheint der Behörde die für 700 Personen geplante Kirche zu groß - sie verlangt Abstriche. Durch diese Verzögerungen gerät die Bearbeitung des "Gnadengeschenkes" in die Wirren der Revolution 1848. So erhält der Kirchenrat durch Schreiben vom 21.9. 1848 vom Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten von Ladenberg endgültigen Bescheid:" Bei den gegenwärtigen Zeitverhältnissen" könne "eine Beihülfe nicht erfolgen". Als Trostpflaster gestattet er eine weitere Kollekte in den Regierungsbezirken Koblenz, Aachen und Trier sowie in der Provinz Westfalen. Nur in Westfalen erfolgt sie 1850 und erbringt immerhin 1008 Taler. Inzwischen ist der Initiator des Kirchenbaus, Pfarrer Sieger, am 29. 3. 1849 - mit 47 Jahren gestorben; seit dem 28. 5. 1849 steht Pfarrer Johannes Gottfried Hensgen der Pfarre vor. Auf seine Anregung hin wird, wie wir aus dem Bericht über den Stand des Kirchenbaus erfahren, unter dem Titel "Maria Verein" ein "Bruder- und Schwesterbund" errichtet, welcher Gebete und fromme Gaben zum Neubau, so wie auch zur Beschaffung neuer Möbel und Geräte für die neue Kirche bezweckt. In diesem Verein sind fast alle Mitglieder dieser Gemeinde aufgenommen, Männer und Frauen, Reiche und Arme, sogar auch schon etliche Auswärtige und zahlen nebst Ableistung der vorgeschriebenen Gebete monatlich einen kleinen Beitrag zu obigem Zweck." Zu diesem Zeitpunkt belaufen sich die Gesamteinnahmen für den Kirchbau auf 4144 Taler. Dieser Bericht enthält auch ein beredtes Zeugnis für das Gottvertrauen des neuen Seelsorgers, wenn er schreibt: "Aber der Herr, der das Beginnen so sichtbar leitete und segnete, wird auch die glückliche Vollendung des im kindlichen Vertrauen begonnenen gewiß herbeiführen, der Mensch denkt, Gott lenkt."

Unter Pfarrer Hensgens Nachfolger, dem seit 1853 in Berzdorf fungierenden Pfarrer Thoma, sollte sich zeigen, wie berechtigt "dieses kindliche Vertrauen" war: Auf einer außerordentlichen Sitzung des Kirchenvorstandes am 28. 5. 1854 kann er bekanntgeben, daß der verstorbene Dr. Horst der Pfarrkirche zu Berzdorf testamentarisch 7000 Taler zum Bau des neuen Gotteshauses vermacht habe. Mit dieser Summe, die alle bisher gesammelten und gespendeten Gelder bei weitem übertrifft, ist die Finanzierung des Neubaus gesichert. Zu ergänzen bleibt, daß auch die alte Kirche "ihr" Scherflein zu den Unkosten der neuen Kirche beiträgt: Sie wird für 144 Taler verkauft, für die bleichen Ziegel werden noch einmal zusätzlich 102 Taler erzielt.

Die Durchführung des Baus   

Bereits 1848 hatte der Kirchenvorstand auf Weisung der Regierung einen Plan nebst Kostenanschlag durch Baumeister Schopen anfertigen lassen. Er ging dabei von Gesamtkosten in Höhe von 10500 Talern aus. Sein Entwurf hat jedoch einen Nachteil: Er ist vom Geist der Neuromanik geprägt, den zwar damals das preußische Königshaus, aber nicht das Kölner Generalvikariat favorisierte. Hier gibt Vinzenz Statz mit seinen neugotischen Vorstellungen den Ton an. So stammen der zur Ausführung kommende Plan mit dem Datum vom 15. August 1855  und der Kostenvoranschlag von Heinrich Nagelschmidt, sein Entwurf lag auf der Linie des Generalvikariats. Nach der Vorlage des Entwurfs zur Begutachtung am 17. 8. 1855 erteilt die Behörde bereits am 21. 2. 1856 die Genehmigung zum Neubau.

Jetzt können die Arbeiten beginnen: Zunächst muß der Kirchhof unmittelbar südlich der alten Kirche abgeräumt werden, das Gelände nivelliert werden. Die Arbeiten läßt H. Broicher durchführen. Bei ihm hatte man im übrigen schon 1855 „einen Ofen" mit ca. 496000 Ziegelsteinen für 2100 Taler gekauft; davon stiftet er 500 Taler für den Bau einer Orgel. Die Maurerarbeiten führt dann der Unternehmer Rosenbaum aus Ahrweiler aus. Bei der Ausschachtung des Neubaus erlebt man eine große Überraschung: Ein Begräbnisplatz aus heidnisch-fränkischer Zeit wird aufgedeckt. Am 3. April 1856 wird der Grundstein offiziell gelegt. In ihn wird ein "Akt", auf Pergament geschrieben, eingefügt - seine Abschrift findet sich im Protokollbuch der Kirchenvorstandssitzungen.

"Im Jahre des Heils (1856)... wurde nach dem Plane und unter der Leitung des Baumeisters Heinrich Nagelschmidt aus Köln von dem mit der Arbeit betrauten Maurermeister Anton Rosenbaum aus Ahrweiler zur Ehre und Verherrlichung des Namens Gottes unter dem besonderen Schutze der schmerzhaften Mutter Maria der Bau dieser Pfarrkirche begonnen und nach einem in der alten Pfarrkirche abgehaltenen feierlichen Hochamte durch den von seiner Eminenz mit dieser heiligen Handlung beauftragten Pfarrer Joh. Matth. Thoma unter Mitwirkung der mitunterzeichneten Priester u. in Anwesenheit des Kirchenvorstandes u. Gemeinderathes, so wie der ganzen Gemeinde am heutigen Tag in kirchlich vorgeschriebener Weise der Grundstein gelegt.“

Zügig schreitet der Bau der Kirche voran. Inwieweit er von der Gemeinde tatkräftig unterstützt wird, läßt sich nur an einer Stelle in den Akten aufzeigen: Bei den Abrechnungen des Fuhrunternehmers Hoffmann - er fährt die Ziegelsteine - findet sich die Notiz, daß der Transport einiger Platten, der Sandsteine, der Schwemmsteine für die Gewölbe und des Bleis durch Fuhren aus der Gemeinde unentgeltlich geleistet wurde; außerdem erstellt sie "Traß" aus der alten Kirche. Die einzelnen Bauabschnitte sind dann vermutlich so vollzogen worden, wie sie von der Kirchenbaukommission mit dem Kirchenvorstandspräsidenten Broicher und dem Orts-Vorsteher Kubier auf der einen sowie dem Bauunternehmer Rosenbaum, unter Oberaufsicht des Architekten Nagelschmidt, auf der anderen Seite, ausgehandelt wurden: Die Maurerarbeiten bis zur Höhe des Hauptgesimses am Mittelschiff waren wohl am 15. September 1856 fertiggestellt, das übrige Mauerwerk bis zum Turm am 1. Juni 1857; die Gewölbe, der innere Putz und der Plattenbelag am 1. August 1857, dem "Haupt-Vollendungstermin". Die letzten Ziegelsteine zum Innenausbau werden laut Eintragung in der "Nota über die Anfuhr der Ziegelsteine" im August 1857 geliefert.

Auch die folgenden Zimmermannsarbeiten werden vom Unternehmer Rosenbaum ausgeführt. Dachdeckerarbeiten verrichtet Joseph Lander aus Bonn, die Klempnerarbeiten Franz Litterscheid aus Brühl, die Schlosserarbeiten Hermann Wichterich aus Brühl, Carl Pazzini aus Brühl die Glaserarbeiten und Josef Wichterich aus Brühl gemeinsam mit Nikolaus Scholzen aus Berzdorf die Schreinerarbeiten. Die gesamten Baukosten belaufen sich auf 14997 Taler und 24 Silbergroschen - den Löwenanteil mit 7192 Talern erhält der Unternehmer Rosenbaum; dem Architekten Nagelschmidt zahlt man für Entwurf und Bauleitung nur 422 Taler.

Am 5. November 1857 ist die Kirche so weit vollendet, daß sie vom Dechanten Franz Lothar Hommelsheim benediziert werden kann. Pfarrer Juschka hat das Protokoll darüber veröffentlicht:

"Im Jahre des Heiles ... wurde unter Mitwirkung der unterzeichneten Priester und in Anwesenheit der meisten Gemeindebewohner durch ... Herrn Franz Lothar Hommelsheim die hiesige neue Kirche in kirchlich vorgeschriebener Weise benediziert und unmittelbar nach dieser heiligen Handlung ein feierliches Hochamt mit Predigt celebriert. Nach Beendigung dieser Feierlichkeit wurde die Destruktion der alten Kirche durch den vom genannten Dechanten hierzu subdelegierten Pfarrer aus Wesseling, Herrn Hüllenkremer unter Assistenz mehrerer Geistlichen nach Vorschrift unserer Agende vorgenommen ...'

Damit hatte sich der Traum von Pfarrer Sieger erfüllt, das kindliche Gottvertrauen sich als berechtigt erwiesen: Berzdorf besaß eine neue große Kirche, als eine der schönsten im Dekanate gerühmt. Alle Mitglieder der Gemeinde konnten jetzt sonntags am heimischen Ort an der hl. Messe teilnehmen, auch wenn die Konsekration erst am 30. April 1894 durch den Suffraganbischof Hermann Joseph Schmilz aus Köln stattfand.

 

Auszug aus: Drösser, Wolfgang / Kretzschmar, Frank:

 Kirche, Kapellen und Kreuze in Berzdorf,

(Wesseling in seinen Denkmälern, Bd. I),

Wesseling 1989